Warum auch erfahrene Spieler Beratungsstellen in Betracht ziehen sollten
Die Vorstellung, als erfahrener Spieler Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, mag für einige befremdlich wirken. Schliesslich hat man die Mechanismen des Spiels durchschaut, die eigenen Grenzen im Griff und weiss, wann Schluss ist – oder etwa nicht? Die Realität zeigt, dass Spielsucht eine komplexe Erkrankung ist, die jeden treffen kann, unabhängig von Erfahrung, Bildung oder sozialem Status. Der Reiz des Online-Glücksspiels, die ständige Verfügbarkeit und die scheinbar unendlichen Möglichkeiten können selbst die diszipliniertesten Spieler in ihren Bann ziehen.
Die subtilen Anzeichen erkennen
Als erfahrener Spieler sind Sie oft gut darin, Ihre Emotionen zu kontrollieren und nach aussen hin eine Fassade der Souveränität zu wahren. Doch die Anzeichen einer beginnenden oder bereits bestehenden Spielproblematik können subtil sein:
* **Erhöhter Zeitaufwand:** Sie verbringen mehr Zeit mit Glücksspielen, als Sie ursprünglich beabsichtigt hatten.
* **Gedanken kreisen um das Spiel:** Auch abseits des Spiels beschäftigen Sie sich gedanklich intensiv mit Strategien, vergangenen Gewinnen oder Verlusten.
* **Verheimlichung:** Sie verheimlichen Ihr Spielverhalten vor Familie oder Freunden.
* **Finanzielle Schwierigkeiten:** Sie geraten aufgrund des Spiels in finanzielle Engpässe oder leihen sich Geld.
* **Stimmungsschwankungen:** Sie erleben starke Stimmungsschwankungen, die mit Ihren Spielerfahrungen zusammenhängen.
* **Vernachlässigung anderer Interessen:** Hobbys, Arbeit oder soziale Kontakte treten in den Hintergrund.
* **Der Drang, Verluste zurückzugewinnen (Chasing Losses):** Sie spielen weiter, um verlorenes Geld zurückzugewinnen, was oft zu noch grösseren Verlusten führt.
Diese Anzeichen zu erkennen, erfordert Selbstreflexion und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Es ist ein Zeichen von Stärke, diese Punkte zu adressieren und nicht zu ignorieren.
Prävention und Frühintervention
Beratungsstellen sind nicht nur für den akuten Fall gedacht. Sie bieten auch wertvolle Ressourcen für Prävention und Frühintervention. Ein offenes Gespräch mit einem Experten kann helfen, die eigenen Spielmuster zu analysieren, Risikofaktoren zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um die Kontrolle zu behalten. Es geht darum, die Freude am Spiel zu bewahren, ohne dass es zu einer Belastung wird.
Das Angebot der Beratungsstellen für Spielsucht in der Schweiz
Die Schweiz verfügt über ein gut ausgebautes Netzwerk an Beratungsstellen, die sich auf Spielsucht spezialisiert haben. Diese bieten eine breite Palette an Dienstleistungen, die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Vertraulichkeit und Diskretion
Ein zentraler Aspekt, der für viele erfahrene Spieler von Bedeutung ist, ist die Vertraulichkeit. Alle Gespräche und Informationen, die Sie mit einer Beratungsstelle teilen, werden streng vertraulich behandelt. Dies schafft einen sicheren Raum, in dem Sie offen über Ihre Herausforderungen sprechen können, ohne Angst vor Verurteilung oder negativen Konsequenzen.
Individuelle Beratung und Therapieansätze
Die Beratungsstellen bieten in der Regel individuelle Gespräche an, in denen Sie Ihre Situation detailliert besprechen können. Basierend auf Ihren Bedürfnissen werden dann passende Therapieansätze vorgeschlagen. Dazu gehören:
* **Psychologische Beratung:** Unterstützung bei der Bewältigung der psychischen Aspekte der Spielsucht, wie Stress, Angst oder Depressionen.
* **Verhaltenstherapie:** Erlernen von Strategien zur Änderung des Spielverhaltens und zur Entwicklung gesünderer Bewältigungsmechanismen.
* **Schuldnerberatung:** Hilfe bei der Bewältigung finanzieller Probleme, die durch das Glücksspiel entstanden sind.
* **Sozialberatung:** Unterstützung bei der Reintegration in den Alltag und der Wiederherstellung sozialer Beziehungen.
* **Angehörigenberatung:** Auch Familienmitglieder und Freunde erhalten Unterstützung, um mit der Situation umzugehen und den Betroffenen zu helfen.
Gruppenangebote und Selbsthilfegruppen
Neben der Einzelberatung bieten viele Stellen auch Gruppenangebote an. Der Austausch mit anderen Betroffenen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann sehr entlastend und motivierend wirken. Selbsthilfegruppen sind eine wertvolle Ergänzung zur professionellen Beratung und bieten eine langfristige Unterstützungsgemeinschaft.
Online-Beratung und telefonische Hotlines
Für diejenigen, die den Schritt zu einer persönlichen Beratung noch nicht wagen oder aus geografischen Gründen Schwierigkeiten haben, bietet die Schweiz auch Online-Beratungsdienste und telefonische Hotlines an. Diese niederschwelligen Angebote ermöglichen einen ersten Kontakt und eine anonyme Hilfestellung.
Wie man die richtige Beratungsstelle findet
Die Suche nach der passenden Beratungsstelle kann überwältigend wirken. Hier sind einige Tipps, wie Sie vorgehen können:
* **Kantonale Angebote:** Jede Schweizer Kanton bietet in der Regel eigene Beratungsstellen oder verweist auf entsprechende Anlaufstellen. Eine Suche nach “Beratungsstelle Spielsucht [Ihr Kanton]” ist ein guter Startpunkt.
* **Nationale Dachorganisationen:** Organisationen wie die Fachstelle Spielsucht (FAS) oder Sucht Schweiz bieten Übersichten und Verzeichnisse von Beratungsstellen im ganzen Land.
* **Hausarzt oder Psychiater:** Ihr Vertrauensarzt kann Ihnen ebenfalls Empfehlungen geben und Sie an geeignete Fachpersonen überweisen.
* **Online-Recherche:** Nutzen Sie die Suchmaschinen, um Beratungsstellen in Ihrer Nähe zu finden. Achten Sie auf offizielle Websites und vertrauenswürdige Quellen.
Scheuen Sie sich nicht, verschiedene Stellen zu kontaktieren, um herauszufinden, welche am besten zu Ihnen passt. Ein Erstgespräch ist oft unverbindlich und dient dazu, sich kennenzulernen und die Angebote zu besprechen.